Was bringt mir eine Klärschlammanwendung auf meinen Feldern?

1. Phosphorversorgung

Der durchschnittliche Phosphorgehalt von 42 oberösterreichischen Klärschlammuntersuchun-gen aus dem Jahr 2012 beträgt 5 % P2O5 in der Frischmasse. Dies entspricht 12,56 kg P2O5/m³ Klärschlamm. Somit wird mit einer durchschnittlichen Gabe von 15 m³/ha Klärschlamm 188 kg P2O5 ausgebracht. Körnermais mit der Ertragserwartung hoch 1 benötigt 100 kg P2O5/ha. Die Wirksamkeit der Phosphordüngung ist wie einen Düngung mit wasser-löslichem Phosphat zu bewerten und daher voll anrechenbar.

2. Stickstoffversorgung

Der durchschnittliche Stickstoffgehalt der 42 untersuchten Schlämme beträgt 3 % Nges. in der Frischmasse. Dies entspricht 6,8 kg Nges./m³ bzw. 6,19 kg Nff/m³, bei einer Gabe von 15 m³ Klärschlamm werden 92,9 kg Nff ausgebracht. Da der entwässerte Klärschlamm bereits stabilisiert ist, liegt auch der Stickstoff in gebundener Form vor. 10 % des Stickstoffs sind schnell verfügbar, die restlichen 90 % werden über einen längeren Zeitraum ähnlich wie bei Stallmist abgegeben.

3. Organische Substanz

Die Trockenmasse besteht zu 36 % aus Organischer Substanz. Dies entspricht 123,8 kg Orga-nische Substanz je m³ Klärschlamm. Vor allem für viehlose Betriebe ist eine Zufuhr von Organischer Substanz für das Bodenleben sehr bedeutend, da sie zum Aufbau von Humus bei-trägt. Die Organische Substanz des Klärschlamms ist leicht abbaubar, daher wird sie zu Nährhumus und nicht zu Dauerhumus umgewandelt.

4. Erhaltungskalkung durch die Ausbringung von kalkstabilisiertem Klärschlamm

In den 42 untersuchten kalkstabilisierten Klärschlämmen aus Oberösterreich sind durch-schnittlich 79,5 kg CaO/m³ enthalten. Daher werden mit einer Gabe von 15 m³ Klärschlamm 1.192 kg CaO ausgebracht, dies entspricht in etwa der Erhaltungskalkung. Der Kalk ist lang-sam wirksam und kann ähnlich wie kohlensaurer Kalk eingestuft werden.

5. Magnesium

Im durchschnittlichen Klärschlamm sind 4,3 kg MgO/m³ enthalten. Bei einer Ausbringung von 15 m³ Klärschlamm wird daher 64 kg MgO/ha ausgebracht. Je nach Bodengehalt und Kalium / Magnesium - Verhältnis sollten 30 - 70 kg MgO/Jahr gedüngt werden. Somit kann bei ausreichend versorgten Böden die Düngung nach Entzug mit Klärschlamm durchgeführt wer-den.

6. Spurenelemente

Die mengenmäßig größten Anteile machen Zink und Kupfer aus. In 1 m³ Klärschlamm sind 0,19 kg Zink und 0,055 kg Kupfer enthalten. Jährlich werden ca. 100 - 300 g Zink/ha und 30 - 100 g Kupfer/ha entzogen, zusätzlich werden ca. 100 g Zink und 10 - 100 g Kupfer ausgewa-schen. Eine Gabe von 15 m³ Klärschlamm enthält 2.850 g Zink und 825 g Kupfer, daher kann die Düngung dieser Spurenelemente rein durch Klärschlamm erreicht werden.

7. Mineraldünger Einsparungspotential

Durch eine Düngung mit 15 m³ Klärschlamm je ha können folgende Düngermengen ersetzt werden:  408 kg Diammonphosphat 18/46  111 kg Nitramoncal 27 %  645 kg Magnesium-Mischkalk  1,45 to Mischkalk Nicht berücksichtigt ist die Organische Substanz, sowie Kupfer und Zink. Aus diesem Ergebnis wird ersichtlich, dass durch eine Klärschlammanwendung große Mengen an Mineraldünger ersetzt werden können. Damit wird der monetäre sowie der ökologische Vorteil von landwirtschaftlicher Klärschlammverwertung sichtbar.

8. Wiederkehrende Bodenuntersuchungen

Bodenuntersuchungen werden vor der ersten Klärschlammausbringung und danach in den gesetzlich festgelegten Abständen durchgeführt. Sie haben einen sehr großen Untersuchungs-umfang, dadurch kann eine sehr gute Beurteilung der Nährstoffgehalte im Boden erfolgen. Die Probenahme, der Transport zum Untersuchungslabor sowie die Übermittlung der Ergeb-nisse inkl. Beratungsgespräch erfolgen durch unsere Mitarbeiter.

9. An die Bodenuntersuchungsergebnisse angepasste Düngeplanung

Aufgrund der vorliegenden Bodenuntersuchungen kann eine bedarfsgerechte Düngeplanung für den Betrieb erfolgen. So wird verhindert, dass unnötige Kosten für Mineraldünger entste-hen. Durch rechtzeitiges Erkennen einer Unterversorgung können Mindererträge vermieden werden. Bei der Erstellung des Düngeplanes wird natürlich auf die Einhaltung der Fördervo-raussetzungen geachtet.

10. Förderungsberatung zu allen Fördermaßnahmen

Wir beraten Sie gerne zu den aktuellen Fördermaßnahmen bzw. Markenprogrammen. Denn nur durch eine umfassende Beratung kann der Klärschlammeinsatz auf Ihre Fördermaßnah-men abgestimmt werden.

11. Versicherung für Schäden aufgrund unsachgemäßer Beratung

Für den Fall, dass Ihnen Schäden durch unsachgemäße Beratung unsererseits entstehen, haben wir selbstverständlich eine Versicherung abgeschlossen.

Welche Vorteile hat die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung für die Allgemeinheit?

 

12. Umweltschutz durch regionale Verwertung

Durch eine Klärschlammausbringung im Umkreis der Kläranlage muss der Klärschlamm nicht bis zur meist weit entfernten Behandlungsanlage transportiert werden. Dadurch werden viele Transportkilometer eingespart.

13. Arbeitsplätze (Transport, Ausbringung in der Region)

Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung sichert Arbeitsplätze in der Region. Die Ausbringung erfolgt mittels Streufahrzeug, bei größeren Entfernungen werden Transporteure benötigt die den Klärschlamm zum Feldrand bringen. Weiters müssen die Bodenproben gezo-gen und im Labor ausgewertet werden. All dies schafft Arbeitsplätze. Aber auch in den der Landwirtschaft nachgelagerten Bereichen werden durch den Ankauf von z.B. Streugeräten für die Klärschlammausbringung Arbeitsplätze geschaffen.

14. Phosphorimporte werden reduziert (kritische Ressource)

In Deutschland könnten 65.000 t/a Phosphor aus dem Klärschlamm genützt werden, dies wä-ren 54 % des gesamten Phosphorimports von insgesamt 120.000 t/a. Die Abbaustätten von Phosphor werden immer weniger und liegen großteils in politisch instabilen Ländern, bzw. werden von den Ländern selbst benötigt und deshalb nicht exportiert. In Europa sind wir aber fast zur Gänze von Phosphorimporten abhängig, da es keine relevanten Phosphatvorkommen gibt.

15. Cadmium und Uran (Reduktion der indirekten Importe durch Phosphordünger)

Wenig belastete Phosphatabbaustätten werden immer weniger, mittlerweile werden erhebliche Mengen an Cadmium und Uran durch die Ausbringung von Phosphordünger auf den Feldern aufgebracht. In Phosphordüngern sind bis zu 700 mg Uran je kg Dünger enthalten. In Deutschland wurden Schätzungen zufolge bereits 10.000 t Uran durch mineralischen Phos-phordünger auf die Böden ausgebracht. Uran wird langsam in tiefere Bodenschichten verla-gert und kann so ins Grundwasser gelangen.

In der unten stehenden Tabelle werden die Cadmiumbelastungen der verschiedenen Ab-baustätten aufgezeigt:

Tabelle

Aus den 42 untersuchten Klärschlämmen aus Oberösterreich ergibt sich ein durchschnittlicher Cd-Gehalt in mg/kg P2O5 von 18,6.

16. Ernährungssicherheit (Reichweite von Phosphor 100-300 Jahre)

Phosphor ist eine unersetzbare Ressource, die für jede Art von Leben notwendig ist. Um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sicher zu stellen, ist ein sorgsamer Umgang mit Phosphor unvermeidlich. Durch politische Unruhen oder Exportstopps in den Phosphat-Förderländern könnte langfristig die Ernährungssicherheit gefährdet werden.

17. CO2 Reduktion

Wie in der Grafik leicht zu erkennen ist, kann bei allen 3 landwirtschaftlichen Verwer-tungswegen eine positive Energiebilanz erreicht werden. Bei den thermischen Entsorgungswe-gen wird sehr viel Energie verbraucht, obwohl in den dargestellten Balken der LKW-Transport noch nicht berücksichtigt ist. Ersatz für mineralische Stickstoffdünger Durch den Einsatz von Klärschlamm wird mineralischer Stickstoffdünger ersetzt, der durch das Haber-Bosch-Verfahren aus dem Luftstickstoff gewonnen wird. Diese Verfahren benöti-gen viel Energie und verursachen somit CO2 Emissionen. Zur Erzeugung von 1 kg Stickstoff werden 39,65 MJ Energie gebraucht. Dies entspricht 11,01 kWh, bei der Ausbringung von 15 m³ Klärschlamm werden somit 1.132,4 kWh (1,13 MWh) Energie eingespart. Zum Ver-gleich: ein österreichischer Haushalt benötigt 4.770 kWh Strom pro Jahr. Wenn man den Energiebedarf für die Erzeugung aller Inhaltsstoffe heranzieht, benötigt man 439,8 MJ Ener-gie um 1m³ Klärschlamm zu ersetzen. Somit ergibt sich für eine Ausbringung von 15 m³ eine Einsparung von 1.847,3 kWh Energie/ha. Kurze Transportwege durch regionale Verwertung Bei vielen Kläranlagen befinden sich die landwirtschaftlichen Flächen im näheren Umkreis, somit muss der Klärschlamm meist nur wenige Kilometer transportiert werden. Die thermi-schen Behandlungsanlagen befinden sich meist an zentralen Standorten, der Transport des Klärschlammes aus den ländlichen Regionen muss vorwiegend über große Distanzen erfolgen.

18. Qualitätsmanagement

Für die landwirtschaftliche Verwertung sind nur qualitativ hochwertige Klärschlämme geeig-net. Alle gewerblichen und industriellen Abwasserproduzenten sind im Indirekteinleiterkatas-ter erfasst und müssen das Abwasser laufend auf branchentypische Inhaltstoffe überprüfen. Die Gehalte an Schwermetallen und AOX (Adsorbierbare organisch gebundene Halogene) werden im Klärschlamm regelmäßig analysiert und sind Indikatoren für die Klärschlammqua-lität. Die fortlaufende Überprüfung der Abwasserinhaltstoffe und der Klärschlämme hat zu Maßnahmen geführt, die den Eintrag von Schadstoffen in die Umwelt deutlich reduziert ha-ben: z.B. wurde die Verwendung von Dioxinen oder Furanen verboten, der Einsatz von vielen Chemikalien durch REACH reglementiert und in Betrieben wurden Abwasservorreinigungs-anlagen installiert. Die Auswertung der verfügbaren Analysendaten zeigt, dass die Schadstof-femissionen in die Umwelt deutlich reduziert werden konnten und sich die Klärschlammqua-lität dementsprechend positiv entwickelt hat.

19. Indirekteinleiter-Überwachung

Führt zur Reduktion der Gesamtschadstofffrachten im Abwassersystem und somit zu geringe-rer Gewässerbelastung und längerer Haltbarkeit des Kanalnetzes.

Durch die Verwertung des Klärschlammes in der Landwirtschaft begann man sich über die Schadstoffe im Klärschlamm Gedanken zu machen. Es gab viele Entwicklungen auf den Kläranlagen um Stoffe besser aus dem Wasser lösen zu können. Durch Anwendungsverbote für manche Stoffe (z. B. REACH - Verordnung) wurden diese generell aus der Umwelt ent-fernt. Ein weiterer Schritt wurde mit der Indirekteinleiterverordnung getätigt. Diese Verord-nung schreibt vor, dass alle Abwasserproduzenten, die andere als haushaltsübliche Abwässer in den Kanal einleiten, überwacht werden müssen. Den betroffenen Einleitern wurden teilwei-se Vorreinigungsmaßnahmen vorgeschrieben. Durch die Summe dieser Maßnahmen verlängert sich auch die Haltbarkeit der Abwasserkanäle und spart den Kommunen Geld.

20. Ressourceneffizienz

Kein Energieverbrauch für thermische Behandlung (Trocknung/Verbrennung), Phosphor wird zu 100 % recycelt.

Durch das Mitverbrennen von Klärschlamm in einer Müllverbrennungsanlage gehen alle im Klärschlamm enthaltenen Nährstoffe verloren. Wenn Klärschlamm mit Müll mitverbrannt wird, muss mit dem Heizwert des Mülles, bzw. mit einer Stützfeuerung (z.B. Erdgas), das Wasser des Klärschlammes verdampft werden. Dieser Vorgang benötigt mehr Energie als die Verbrennung des Klärschlammes bringt. Allerdings kann der Mülldurchsatz gesteigert werden und somit die Einnahmen für den Anlagenbetreiber erhöht werden.

Stimmen aus der Praxis mit langjähriger Erfahrung in der Klärschlammverwertung: Stefan S., Landwirt aus Redlham Neben Phosphat, Kalk und Organik sind mir die Bodenuntersuchungen besonders wichtig. Auf unserem Betrieb wird Klärschlamm schon seit 20 Jahren zur Düngung eingesetzt. GF DI Susanne Haberl, RHV Schwanenstadt - Umgebung Der Reinhaltungsverband Schwanenstadt - Umgebung ist ein Betrieb im Dienste der Umwelt und setzt seit Jahrzehnten im Sinne der Ressourcenschonung auf die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung.

Copyright mueller-umwelttechnik gmbh © 2013. All Rights Reserved.